3. RISIKEN: Folgen einer zu intensiven Handynutzung

Depressionen, Angst und Stress sind Folgen einer Handysucht
3. RISIKEN: Folgen einer zu intensiven Handynutzung
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Zuvor (Teil 1, Teil 2) haben wir uns einmal angeschaut, warum wir überhaupt Smartphone-süchtig werden können und an welchen Anzeichen du erkennen kannst, ob bei dir ggf. eine Smartphone-Abhängigkeit vorliegt.

Doch es stellt sich ja auch die Frage: Was kann überhaupt passieren, wenn du dein Handy sehr intensiv nutzt? Daher möchten wir dir einmal die möglichen Folgen einer intensiven Smartphone Nutzung, bzw. einer Handysucht aufzeigen.

ÜBERBLICK INHALT

Entkopplung und Abwertung des echten Lebens

Probleme in der Beziehung und im sozialen Umfeld

Sinkende Gesellschaftsorientierung

Soziale Isolation und Einsamkeit

Psychische Gesundheit

Gestörte Selbstwahrnehmung

Schlafstörungen

Körperliche Schmerzen und Schäden

Gestörte Leistungsfähigkeit

ÜBUNG: Risiken erkennen und handeln

Entkopplung und Abwertung des echten Lebens

Einer der eher offensichtlichen Risiken einer Smartphone-Abhängigkeit ist das schrittweise zurückziehen aus dem eigentlichen, realen Leben. Hierfür gibt es viele Gründe:

Zum einen haben Betroffene aufgrund der intensiven Handynutzung immer weniger Zeit andere Dinge zu machen. Hinzu kommt, dass bei der Verwendung des Smartphone das Zeitgefühl gerne verloren geht und gerne mal 2 Stunden Zeit vorüberziehen obwohl wir eigentlich nur kurz was nachschauen wollten.

Doch Zeit alleine ist nicht die treibende Kraft. Betroffene haben meist auch immer weniger Interesse an anderen Aktivitäten abseits des eigenen Smartphone. Das Handy entwickelt sich zum Lebensmittelpunkt und alles andere muss sich hinten anstellen.

Diese Handy-Fixierung hat aber leider auch zur Folge, dass Aspekte des realen Lebens häufig nur in mentaler Abwesenheit erlebt werden. Die Gedanken drehen sich zu großen Teilen um das virtuelle Leben und Aspekte der realen Welt werden allenfalls als Fotoobjekt für Instagram wahrgenommen.

Dies kann zur Folge haben, dass das reale Leben irgendwann sehr langweilig wahrgenommen wird und der Betroffene auch deshalb seine Lebenszeit immer mehr in Richtung virtuelle Welt verlagert. Eine sich selbst anfeuernde Spirale!

Probleme in der Beziehung und im sozialen Umfeld

Dieser Rückzug aus dem echten Leben hinterlässt meist auch Spuren in den sozialen Beziehungen des Betroffenen, insbesondere bei Partnerinnen und Partnern.

Ist das Smartphone allgegenwärtig verlieren auch Momente der Zweisamkeit (zum Beispiel beim gemeinsamen Abend auf dem Sofa oder beim Abendessen) ihren Stellenwert in der Beziehung. Widmet der Betroffene zu häufig seine Aufmerksamkeit seinem Handy statt seinem Partner kann dies den Partner kränken. Im schlimmsten Fall tut er es dem Betroffenen gleich und zückt auch sein Handy. Dann sitzen 2 Menschen zum Abendessen zusammen, reden aber nicht sondern starren auf ihre Bildschirme. Leider kein theoretisches Beispiel, wie Studien belegen. (Quelle)

Diese intensive Smartphone Nutzung ist solch ein Risiko in Beziehungen und im sozialen Umfeld, dass es hierfür sogar einen Begriff gibt: Phobbing, zusammengesetzt aus phone (Telefon) und snubbing (vor den Kopf stoßen).

Sinkende Gesellschaftsorientierung

Doch es existieren noch größere soziale Risiken, die durch eine Smartphone-Abhängigkeit entstehen können: Studien haben belegt, dass bei steigender Smartphone Nutzung gleichzeitig das Interesse anderen Personen, bzw. der Gesellschaft zu nützen (Altruismus) sinkt. D.h. Menschen mit einer Smartphone-Abhängigkeit neigen dazu, sich lieber mit dem Handy auseinanderzusetzen als sozial oder gesellschaftlich aktiv zu werden und anderen Menschen zu helfen.

Die Betroffenen empfinden den Austausch mit anderen Menschen über das Handy als ausreichend, um ihr grundlegendes menschliches Bedürfnis nach Verbindung mit anderen Menschen zu befriedigen. Die reale Gesellschaft bleibt in diesem Szenario auf der Strecke. (Quelle)

Forscher befürchten, dass diese Folge der Handysucht sogar das Potenzial hat, Auswirkungen auf unsere gesellschaftliche Struktur zu haben.

Depressionen, Angst und Stress sind Folgen einer Handysucht
Depressionen, Angst und Stress sind Folgen einer Handysucht

Soziale Isolation und Einsamkeit

Indem Betroffene einer Smartphone-Abhängigkeit den Kontakt zu anderen Menschen via Internet und Smartphone als ausreichend einstufen isolieren sie sich gleichzeitig aus ihrem sozialem Umfeld. Der Kontakt zu anderen Menschen in der realen Welt wird zurückgefahren, was zur Folge haben kann, dass sich Betroffene einer Smartphone-Abhängigkeit einsam fühlen.

Die digitale Interaktion kann das menschliche Grundbedürfnis nach sozialem und persönlichem Kontakt zu anderen Menschen nicht ersetzen!

Mit dieser Einsamkeit schwingt häufig auch das Empfinden sozialer Angst und Schüchternheit mit, was dann ein weiteres Reduzieren der realen sozialen Kontakte mit anderen Menschen zur Folge haben kann.

Die durch Smartphone-Abhängigkeit hervorgerufene Einsamkeit wird abermals gesteigert, wenn der Betroffene seine Problematik mit dem Smartphone gerne verheimlichen möchte. Hierzu unterbindet er häufig den Kontakt zu Menschen aus dem persönlichen Umfeld.

Psychische Gesundheit

Doch eine Smartphone-Abhängigkeit birgt nicht nur psychische Risiken im Kontext der sozialen Beziehungen sondern auch hinsichtlich der persönlichen psychischen Gesundheit.

Das Smartphone kann u.a. zu Stimmungsschwankungen führen. Diese werden zum Beispiel durch die emotionale Abhängigkeit vom Smartphone hervorgerufen: Wird das Handy benutzt und gibt es viele Likes bei Instagram ist der Betroffene gut gelaunt. Konnte lange nicht der Status beim Lieblings-sozialen-Netzwerk geprüft werden tritt schlechte Laune auf. Das persönliche Wohlbefinden wird vom eigenen Leben entkoppelt und durch den externen Takt des Handys und der favorisierten Apps bestimmt. Dies befeuert die Handysucht abermals.

Der Sog des Smartphone fördert leider auch die Impulsivität, also das spontane Handeln ohne auf die Konsequenzen zu achten. Betroffene handeln demnach für Außenstehende nicht nachvollziehbar, leichtfertig und unkontrolliert. Beispielsweise sind Betroffene sehr ungeduldig, haben Wutausbrüche oder fallen anderen ins Wort. Impulsivität ist übrigens auch eins der 3 Kernverhalten von ADHS Patienten. (Quelle)

Smartphone-Abhängige neigen auch eher zu Depressionen, Angstzuständen und Stress. Dazu trägt natürlich auch das ständige Bedürfnis up-to-date zu sein und nichts zu verpassen sowie der Druck ständig in sozialen Medien verfügbar zu sein bei. Dabei sind Jugendliche besonders anfällig für diese Folgen einer Handysucht. Dies konnte bereits in Studien belegt werden. (Quelle 1, Quelle 2)

Gefahr von Selbstwahrnehmungsstörung durch zu viel Smartphone
Gefahr von Selbstwahrnehmungsstörung durch zu viel Smartphone

Gestörte Selbstwahrnehmung

Ein gesonderter Aspekt der psychischen Folgen einer Smartphone-Abhängigkeit ist die Störung der Selbstwahrnehmung, bzw. des Selbstbewusstseins.

Zum einen neigen Betroffene dazu die Außenwelt, sprich die Welt ihres Smartphone und nicht ihre persönliches Inneres, wie Intellekt, soziale Fähigkeiten oder sportliche Erfolge in den Fokus zu stellen. Das kann zur Folge haben, dass ihr Selbstwertgefühl, bzw. ihr Selbstbewusstsein von äußeren Faktoren (zum Beispiel Likes) bestimmt wird oder damit labil wird.

Eine gefährliche Entwicklung der Abhängigkeit, denn dies kann zum Beispiel dazu führen, dass Betroffene mit ihrem Leben unzufrieden werden, nur weil sie kontinuierlich ihr Leben mit den meist in Szene gesetzten Lebensausschnitten auf Instagram vergleichen und enttäuscht sind, weil sie sich nicht täglich auf einer Yacht räkeln oder vor einem Sportwagen angeben.

Doch es gibt auch die gegenteilige Entwicklung: Bei manchen verursachen die Einflüsse von Smartphone und Social Media kein geringes Selbstwertgefühl sondern Narzissmus, sprich eine gewisse Selbstverliebtheit und Selbstbeweihräucherung. Tatsächlich scheint diese Selbstverliebtheit durch das häufige Aufnehmen von Selfies und der Fokus auf persönliches Auftreten im digitalen Umfeld gefördert zu werden. (Quelle)

Schlafstörungen

Schlaf ist essenziell für einen gesunden Menschen. Doch unsere kleinen Helfer kommen uns auch hier in Quere. Insb. bei übermäßiger Verwendung des Smartphone am Abend wird der Körper bei der Schlafvorbereitung gestört:

Zum Einen durch das blaue Licht des Displays, das durch die Helligkeit die Melatoninproduktion hemmt und das Einschlafen hinauszögert. Hierfür gibt es mittlerweile Apps und Funktionen bei iOS.

Zum Anderen auch durch die Einflüsse auf das, was wir kurz vor dem schlafen gehen wahrnehmen. Eine gute Schlafhygiene sieht eine Pause an externen Reizen vor dem schlafen gehen vor. Wir empfehlen 1-2 Stunden vor dem schlafen gehen das Handy zur Seite zu legen. So ist auch sichergestellt, dass das Zeitgefühl nicht verloren wird und der Betroffene dann zu wenig Schlaf bekommt, weil er am Handy abgelenkt war.

Liegt das Handy dann auf dem Nachtisch wird im schlimmsten Fall der Betroffene durch Push Notifications aus dem Schlaf gerissen.

Körperliche Schmerzen und Schäden

Die übermäßige Verwendung des Smartphone kann aber auch körperliche Probleme zur Folge haben. Mittlerweile recht bekannt ist der Handynacken. Der Handynacken entsteht durch den langanhaltenden Blick nach unten auf das Display. Schmerzen im Nacken, im Schulterbereich aber auch Kopfschmerzen sowie Verschleißerscheinungen der Muskulatur sind die Folgen.

Der Blick nach unten kann aber auch zur Folge haben, dass die Lungenfunktion beeinträchtigt wird, was wiederum zur Folge haben kann, dass sich der Sauerstoffgehalt im Blut reduziert und es zu Gefäßerkrankungen kommt.

Ferner kann die Überlastung der Finger und Feinmotorik zu Sehnenentzündungen sowie die starke Fokussierung der Augen auf das kleine Display zu Sehstörungen und -schwächen führen.

Hinzu kommen natürlich noch die Gefahren, die von der kontinuierlichen Handystrahlung ausgehen, der zum Beispiel auch die Förderung von Krebs nachgesagt wird. Weitere Informationen hierzu findest du bei der internationalen Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung: elektrosmog.com/handystrahlung.

Smartphones können deine Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen
Smartphones können deine Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen

Gestörte Leistungsfähigkeit

Smartphone-Abhängigkeit senkt auch die Leistungsfähigkeit von Betroffenen. So wird zum Beispiel die Produktivität durch regelmäßiges „checken“ neuer Nachrichten reduziert, weil der Betroffene von seiner eigentlichen Aufgabe abgelenkt wird.

Tatsächlich wird auch die Konzentrationsfähigkeit generell durch Smartphones gestört. Eine Studie belegt hierzu, dass die bloße Anwesenheit eines Smartphone reicht, um die Konzentration negativ zu beeinflussen. Der Betroffene wird gedanklich abgelenkt und kann sich nicht auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren. Hierzu braucht es nicht einmal eine Push Notificaiton o.ä. (Quelle)

Gleichzeitig ist die Versuchung zum Beispiel nur noch kurz die neuste Instagram Story zu gucken so groß, dass Smartphone-Abhängige auch übermäßig an Prokrastination, also dem Aufschieben von Aufgaben leiden.

Aber der 24/7 Zugriff auf das gesamte menschliche Wissen macht uns auch denkfaul. Das hat zur Folge, dass sich unsere allgemeine Gehirnleistung verringern kann, was ebenfalls bereits mit einer Studie belegt wurde. (Quelle)

Soweit zu den Risiken und Folgen von zu viel Smartphone. Natürlich müssen diese Folgen nicht alle bei dir auftreten aber uns ist es wichtig, dass du weißt, dass eine übermäßige Handynutzung in vielerlei Hinsicht gefährlich sein kann.

ÜBUNG: Risiken erkennen und handeln

Nachfolgend findest du wieder ein paar Fragen und kleine Übungen zur Reflektion der Inhalte:

  • Welchen Stellenwert hat dein Handy im Vergleich zu deinem sozialen Umfeld und Aktivitäten im Offline-Leben? Entspricht das deiner beabsichtigten Priorität?
  • Bist du oft in Gedanken vertieft und geistig abwesend, wenn du dein Handy nicht verwendest?
  • Benutzt du auch wenn du mit anderen Menschen zusammen bist (insb. deine Freunde, Familie, Partner) häufig dein Handy? Was machen die anderen Personen in dieser Zeit?
  • Fühlst du dich manchmal einsam?
  • Kannst du Stimmungsschwankungen bei dir feststellen? Verändert sich deine Stimmung wenn du deine Lieblings-Apps mal für einen Tag nicht verwendest?
  • Hast du schon einmal versucht deine Smartphone-Nutzung gegenüber nahestehenden Menschen zu verheimlichen?
  • Bist du ungeduldiger geworden und schnell gereizt?
  • Stresst dich der Gedanke, dass du schnell mal wieder was am Handy checken musst damit du up-to-date bleibst?
  • Hast du Probleme einzuschlafen? Oder ist dein Schlaf nicht mehr so erholsam? Benutze 2 Stunden vor dem Schlafen gehen dein Handy nicht mehr und lege es übernacht nicht neben das Bett sondern z.B. in den Flur
  • Hast du öfters Schmerzen im Nacken / im Schulterbereich oder Kopfschmerzen?

Was sagen deine Freunde?

Spreche bitte mal mit deinen Freunden darüber: Stellen sie eine Veränderung bei dir fest? Zum Beispiel: Hast du dich etwas mehr zurückgezogen? Wirkst du vermehrt desinteressiert auf sie? Bist du egoistischer oder selbstverliebter geworden? Oder wirkst du gestresst oder ängstlich? Wirkst du oft abwesend?

Verbessere deine Produktivität

Solltest du ein Problem damit haben, dass sich deine Produktivität auf der Arbeit oder beim Lernen verschlechtert hat, versuche bitte einmal dein Handy aus dem Sichtfeld und außerhalb deiner Reichweite aufzubewahren. Statt dich andauernd damit abzulenken kannst du es als Belohnung für eine erledigte Aufgabe ansehen.

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